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Crete TOURnet: Home Kreta Führer Die Kunst der Minoer Handel und Handwerk in der Zeit der neueren Paläste

Handel und Handwerk in der Zeit der neueren Paläste

Junge Göttin mit zwei Schlangen und einem Panther auf dem Kopf
Junge Göttin mit zwei Schlangen und einem Panther auf dem Kopf
In der Zeit der neueren Paläste breiteten sich die minoischen Handelsverbindungen zwischen Kreta und anderen Orten immer mehr aus. Handelsstationen der Minoer existierten nicht nur auf verschiedenen ägäischen Inseln wie Kythera, Milos, Kea, Thira, Karpathos und Rhodos, sondern auch in Kleinasien (Miletos), in Syrien und in Ägypten (Faros). Städte mit dem Namen Minoa gab es auf Korfu, in Lakonien, in Monemvasia, auf Amorgos, Paros und Sifnos.
Die Steinarbeiten jener Zeit sind Beispiele einzigartiger Handwerkskunst, so wie die Stierköpfe aus Steatit von Knossos und Zakros oder der alabasterne Löwenkopf von Knossos, alle im Museum von Iraklion ausgestellt. Steinerne Vasen zeigen Darstellungen mit genauen Einzelheiten. Ein Beispiel dafür ist die berühmte Schnittervase aus schwarzem Speckstein und andere Gefäße von Agia Triada, mit komplizierten Reliefarbeiten, die die feierliche Prozession von Erntearbeitern zusammen mit Musikern und Sängern wiedergeben. Ein anderes Rython von Agia Triada zeigt eine Reihe von athletischen Spielen wie Stierkämpfe, Boxen, Ringen und Springen. Ein eierförmiges Kristallrhyton von Zakros mit einem Perlenring um den Hals und einem Henkel aus Bergkristall zählt zu den besonderen Prunkstücken jener Zeit. Alle Werke sind im Museum von Iraklion zu sehen.
Auch die Kunstwerke aus Elfenbein beeindrucken mit ihrer außergewöhnlichen Schönheit. Eine Statuette im Museum von Iraklion wurde bekannt als der Stierspringer von Knossos und zeigt einen jungen Mann, der gerade über einen Stier springt. Eine andere wunderbare in Gold und Elfenbein, Abbildung eines jungen Mannes, des sogenannten Kouros von Palaikastros, wird im Museum von Sitia ausgestellt. Solche hervorragenden Skulpturen erschienen sonst in der griechischen Welt erst nach weiteren tausend Jahren.
In der Zeit der neueren Paläste entwickelten die minoischen Handwerker eine besondere Technik (Fayence oder Fagentiani), um ihrer Ware einen glänzenden Grund in verschiedenen Tönungen zu verleihen. Dazu benutzten sie eine Mischung aus Sand und Ton mit einer harzigen Substanz, zusammen mit Metalloxiden und Alkali zur Farbgebung. Die berühmte Schlangengöttin, sowie eine Kuh und eine wilde Ziege, die ihre Jungen säugt, sind in Fayencetechnik gearbeitet und befinden sich heute im Museum von Iraklion.
Die Wandmalereien zur Ausschmückung der Innenwände waren hochentwickelt und weitverbreitet. Die Themen und die Bewegungsabläufe der Malereien vermitteln ein Gefühl von Freude und Leben. Die Malereien sind alle zweidimensional, auf Tiefenwirkung wurde kein Wert gelegt. Viele Motive stammen aus der Natur, aus dem Pflanzen- und Tierreich und aus der Welt des Meeres.
Teilweise werden auch religiöse Themen und sportliche Ereignisse, zum Beispiel Stierkämpfe dargestellt. Viele Miniaturfresken dieser Zeit zeigen ganz kleine Menschenfiguren. Oft schufen die Künstler erst die Umrisse ihrer Gemälde als Relief, das als Mischung von Kalk und Sand auf den Mörtel aufgetragen und dann ausgemalt wurde. Ein Beispiel für diese Technik ist das Stierkopf-Relief am Nordeingang von Knossos. Nach 1.600 v. Chr. wurde die Relieftechnik nach und nach aufgegeben. Die Farben für die Malereien wurden mit Hilfe von Mineralien oder Metalloxiden hergestellt, die unter den feuchten, in Schichten vorbereiteten Mörtel untergemischt wurden. Sobald der Mörtel trocken war, trug der Künstler weitere Mineralfarbe zusammen mit anderen unbekannten Substanzen auf und schuf so ein Werk, dessen Farbenfreude uns über Jahrtausende hinweg erhalten blieb.
Während der Zeit der Neueren Paläste wurde der Kamares-Töpferstil allmählich vom sogenannten Floral- und Meeresstil verdrängt, mit anderen Worten, die Themen wechselten von abstrakten Mustern zu realistischen Abbildungen mit Blumen oder mit Themen des Meeres. Beliebte Motive sind Tintenfische, Nautili, Seesterne, Lilien, Papyrus und Blattwerk. Die Farbzusammenstellung von Verzierung und Hintergrund ist jetzt umgekehrt, und dunkle Verzierungen werden auf hellem Grund aufgetragen.
Gegen Ende der Zeit der Neueren Paläste, nach der Katastrophe von 1450 v. Chr., trifft man im letzten verbliebenen Palast vom Knossos auf einen neuen Stil, den sogenannten Palaststil. Zum erstenmal gehören auch Vögel zu den Motiven. Die realistische Darstellung von Pflanzen, Seetieren und Vögeln wurde aber nach und nach wieder aufgegeben und durch abstraktere Verzierungen, ähnlich wie bei der Kamares-Ware ersetzt. Im Gegensatz zum Kamaresstil hielt sich der Palaststil jedoch streng an gemoetrische Formen. Im allgemeinen ist die Endzeit der Neueren Paläste von einer anti-naturalistischen Darstellungsweise und einer Rückkehr zu rein schmückenden Details gekennzeichnet.
Die Kleidung der Minoer wird in den Wandmalereien von Kreta und Thira, sowie bei verschiedenen Statuetten, wie zum Beispiel bei der Schlangengöttin von Knossos, dargestellt Die Frauen trugen einen Stufenrock, eine Schürze und ein Mieder, das die Brüste frei ließ. Die Männer der Minoerzeit waren mit einem kiltartigen Gewand bekleidet.

Bilder von Handel und Handwerk in der Zeit der neueren Paläste:


Dreizack aus Steatit, Beispiel für die hervorragende Handwerkskunst der Minoer
Dreizack aus Steatit, Beispiel für die hervorragende Handwerkskunst der Minoer
Der Palaikastro-Kouros im Museum von Sitia
Der Palaikastro-Kouros im Museum von Sitia

"Delphine" vom Megaron der Königin in Knossos
Goldener Ring, mit der Abbildung einer Göttin und ihrer tanzenden Anbeter
Goldener Ring, mit der Abbildung einer Göttin und ihrer tanzenden Anbeter
Das Boxerrhyton von Agia Triada
Das Boxerrhyton von Agia Triada
Die Schnittervase von Agia Triada
Die Schnittervase von Agia Triada

"Die Pariserin " - Fresko von Knossos
Flasche in Form eines Tintenfisches, aus der Zeit der Neuen Paläste, Palaikastro
Flasche in Form eines Tintenfisches, aus der Zeit der Neuen Paläste, Palaikastro
Gefäß im Marinestil aus der Zeit der Neuen Paläste
Gefäß im Marinestil aus der Zeit der Neuen Paläste
Gefä( aus Bergkristall mit auf Bronzedraht gezogenem Perlenring um den Hals
Gefä( aus Bergkristall mit auf Bronzedraht gezogenem Perlenring um den Hals
Junge Göttin mit zwei Schlangen und einem Panther auf dem Kopf
Junge Göttin mit zwei Schlangen und einem Panther auf dem Kopf